Mädchenherzen höher schlagen lassen: Pferdezeitschriften für Kinder

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Von einer unausgesprochenen Gesetzmäßigkeit zu sprechen, wäre wohl etwas übertrieben. Aber es wird wohl keine Mutter und auch kaum ein Mädchen widersprechen, dass es sich nicht von Pferden oder Ponys angezogen fühlt. Die stolzen Vierbeiner sind für Mädchen wie Jugendliche etwas Besonderes. Umso besser, dass es zahlreiche Pferdezeitschriften für Kinder gibt. Und bei weitem ist es nicht so, dass in jeder Pferdezeitschrift ein Prinz auf einem Schimmel daher geritten kommt, um seine Herzensdame zu retten und schließlich zu heiraten. Märchenhaftes sucht man vergeblich. Dennoch unterscheidet sich das Angebot an Pferdezeitschriften.

Studie belegt: Mädchen lieben Pferde

Zunächst zu der Frage: Warum mögen Mädchen Pferde? Es kann wohl kaum ein Zufall sein, dass sich so viele Mädchen für die Vierbeiner begeistern. Und bei Pferden ist es oft auch anders als bei Hunden. Denn die finden erfahrungsgemäß alle am Süßesten wenn sie nur wenige Wochen alt sind und noch nicht ausgewachsen. Baby-Pferde, also Fohlen, haben natürlich auch eine magische Anziehungskraft auf Mädchen, aber besonders die ausgewachsenen Pferde haben es der weiblichen Anhängerschaft angetan. Es sind nicht Ponys, auf denen die meisten reiten lernen und die doch deutlich kleiner sind. Mädchen wollen große Pferde. Eine Studie aus dem Jahr 2011 hat herausgefunden, dass Mädchen und Jugendliche sich nach Beziehungen sehnen. Schon im jüngsten Alter. Zu einem Pferd kann man eine Beziehung aufbauen und das Pferd ist der starke Partner. Der Beschützer.

Eigenes Pferd

Der Traum vom eigenen Pferd, dem Partner und dem Beschützer

Damit noch nicht genug. Es stärkt enorm das Selbstbewusstsein, wenn so ein großes Tier sich einem jungen Mädchen unterwirft und in die Richtung geht, in die es gelenkt wird. Reiten hat etwas Erhabenes. Eltern könnten kaum glücklicher sein, wenn ihre Kinder reiten wollen. Denn anders als bei einem Familienhund, um den sich alle zusammen kümmern, müssen die Kids sich im Moment des Reitens allein um das Pferd kümmern. Die Kinder lernen schon frühzeitig den verantwortungsbewussten Umgang mit den Tieren. Vor allem, wenn Eltern es sich finanziell leisten können, dem Wunsch eines eigenen Pferdes nachgeben zu können. Denn oft hat die Familie kaum Expertise in Sachen Pferd. Das Kind hat zwar sicher fremde Unterstützung in Form eines Reitlehrers. Aber es muss sich kümmern. Jeden Tag. Auch am Wochenende. Auch in den Ferien. Und auch bei minus 15 Grad Außentemperatur. Aber immer langsam mit den wilden Pferden. Bevor es ein eigenes wird, kann man in entsprechenden Zeitschriften in Träumen schwelgen.

Pferdezeitschriften für Kinder – die Vielfalt macht’s

Der Markt an Pferdezeitschriften für Kids boomt. Die Liste ist lang und länger. Eine Auswahl an Magazinen wird untenstehend vorgestellt. Freilich wird es noch diverse Weitere geben.

Bibi und Tina

Angefangen mit dem absoluten Klassiker unter den Pferdemagazinen: Bibi und Tina. Den Ursprung feiert das Magazin nicht im Fernsehen, sondern auf Kassette. Kaum ein Kind von heute wird wissen, was das ist. Aber angefangen 1991 haben die Hörspiele von Kiddinx tausende Kinder in den Schlaf gesprochen. Dabei haben die Macher von Bibi und Tina damals die Figur Bibi Blocksberg auf eine weitere Ebene gehoben. Die kleine Hexe aus Neustadt wollte Reiterferien machen und landete auf dem Martinshof. Dort lernte Bibi das Mädchen Tina kennen. Ihrer Mutter gehört der Ferienhof. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die es bis heute sogar in die Kinos geschafft hat. Bibi und Tina stehen bis heute für Mädchenträume.

Zweifelsfrei ist bei den Geschichten vom Martinshof alles Friede, Freude, Eierkuchen. Spannende Abenteuer erleben die beiden Mädchen während ihrer gemeinsamen Zeit. Insgesamt gab es bis heute 39 Goldene Schallplatten und 15 in Platin für die Hörbuchserie. Damit sind die Figuren Bibi und Tina nicht nur erfolgreich, sondern auch zeitlose Klassiker. Aus Hörspiel wurden bald Zeichentrickserie und 2013, 2014 sowie 2016 kam jeweils ein Spielfilm in die Kinos. Nicht in Zeichentrick sondern mit realen Figuren. Allesamt sind bis heute Kassenschlager. Warum sollte es nicht auch mit einem Magazin klappen?

Der Stuttgarter Blue Ocean Entertainment Verlag lag mit der Idee goldrichtig. In Zeichentrick verkauft sich das Heft, das alle sechs Wochen erscheint, bis heute sehr gut. Neben den spannenden Abenteuern bieten die Geschichten im Magazin auch einen pädagogischen Mehrwert. Denn nicht immer sind die beiden Freundinnen einer Meinung und es fliegen auch manchmal die Fetzen zwischen Bibi und Tina. Doch am Ende einer jeden Folge kommt meistens die große Versöhnung. Das ist alles andere als an der Realität vorbei. Es zeigt den Mädchen: Streiten ist erlaubt und etwas Normales. Danach spricht man sich aus und verträgt sich wieder.

Wendy – für etwas Ältere

Einen Wandel hat die Zeitschrift Wendy in den letzten Jahren erlebt. 1986 erschien die Zeitschrift in Comicform das erste Mal. Damals natürlich gezeichnet. Angesprochen fühlen sich von Hauptfigur Wendy Thorsteeg vor allem Sieben- bis Elfjährige. Wendy lebt mit ihren Eltern auf Gut Rosenborg. Sie vermittelt vor allem das beliebte, ehrgeizige und erfolgreiche Mädchen. Sie schreibt gute Noten in der Schule, lebt auf einem Reiterhof, nimmt erfolgreich an Reitturnieren teil und hat einen festen Freund an ihrer Seite. Könnte nicht besser laufen, oder? Stimmt. Dafür setzt Wendy sich in ihren Geschichten vor allem für Missstände ein. In kaum einer Geschichte geht es nicht darum, Tiere zu befreien und das Böse zu besiegen. Vermitteln soll das Magazin vor allem Tierschutzaspekte. Wendy erscheint alle drei Wochen und liefert neben Unterhaltung auch noch einen pädagogischen Mehrwert.

Inhaltlich hat sich über die Jahre wenig verändert. Der lehrreichen Linie sind die Macher treu geblieben. Allerdings schmücken mittlerweile Fotografien das Magazin. Es gibt noch einen kleinen Comicteil, aber das Titelbild ist zum Beispiel nicht mehr gezeichnet. Die Anhängerschaft des Magazins scheint das wenig zu stören, denn bis heute werden pro Auflage knapp 55.000 Exemplare verkauft. Das ist keine schlechte Quote, dafür dass die Bandbreite an Magazinen so groß ist.

Wendy Cover

Wendy Cover

Pferd & Co

Alle sechs Wochen findet das Magazin Pferd & Co seinen Weg in den Handel. Die Zielgruppe liegt bei Mädchen zwischen neun und 13 Jahren. Inhaltlich warten Reportagen, Fotoromane und Comics auf die Leserinnen. Darüber hinaus gibt es auch in jeder Ausgabe wertvolle Reittipps für die aktiven Reiterinnen. Die 36 Seiten sind wie auch bei Bibi und Tina sowie Wendy mit Lehrmaterial und Unterhaltung gemischt. Es zeichnet sich ab, dass der erzieherische Wert vor allem in den Pferdezeitschriften für Kinder groß zu sein scheint. Das Magazin erscheint bei der Blue Ocean Entertainment AG. Dort ist auch das Pferdeheft Bayala zuhause.

Angelehnt an Schleich – Bayala

Spielt man als junges Mädchen nicht gerade mit Playmobil oder Barbie, dann mit Schleich. Die Schleichtiere bzw. Figuren sind berühmt für ihr authentisches Aussehen. Es wird nicht einfach ein Pferd produziert. Die Macher der Schleichtiere unterscheiden auch noch in bestimmte Rassen. Vom Hannoveraner über das Kaltblut bis zum Lipizzaner ist alles dabei. Ähnlich verhält es sich mit den gängigsten Hunde- und Katzenrassen. In dem Magazin Bayala allerdings werden die Mädchen eingeladen, abzutauchen in eine andere Welt. Denn im Magazin selbst dreht sich alles um Elfen, Einhörner und auch Drachen. Also alles andere als realitätsnah. Die beiliegenden Schleichtiere sind auch nicht artgetreu sondern Fantasietiere.

Cover der Bayala

Cover der Bayala

Die Welt der Einhörner – Filly Magazin

Zwischen fünf und neun Jahre ist die Leserschaft des Filly Magazins alt. Wie Bibi und Tina und Bayala erscheint auch das Magazin im Blue Ocean Verlag. Benannt ist die Pferdezeitschrift für Kinder nach dem kleinen rosa Pferdchen Filly. Ihr Name bedeutet die englische Verniedlichung von Fohlen. Seit 2006 ist das 36 Seiten lange Heft im Handel erhältlich und erscheint alle vier Wochen. Jedem Magazin liegt ein Spielzeug bei, das die Mädchen einlädt, die Geschichten aus dem Heft zuhause nachzuspielen. Der Mehrwert ist also gegeben. Auch wenn es sich inhaltlich viele um die Fantasiegeschöpfe Einhörner dreht. Dass Filly pink ist, eine Krone trägt und eine regenbogenfarbige Mähne hat, sagt eben schon alles. Aber die Mädchen finden das Magazin toll.

Mädchenclique zu Pferd – Horseland

Die TV-Serie Horseland bildet die Basis für die gleichnamige Pferdzeitschrift, die es seit 2008 im Handel gibt. Dort dreht sich alles um die vierer Mädchenbande bestehend aus Sarah, Alma, Molly und Benny. Die vier haben auf der Ranch Horseland ihre Pferde Scarlet, Button, Calypso und Aztek stehen. Die Mädels reiten am liebsten mit ihren Pferden aus und erleben dabei spannende Abenteuer. Die Geschichten werden in Comicform erzählt und wie es bei Mädels so ist: Streit kommt auch nicht zu kurz. Aber auch hier vertragen sich die Mädchen immer wieder. Daneben ist das Magazin geschmückt mit Rätseln und Psycho-Tests. Aber auch Pferdewissen wird ausreichend vermittelt auf den 36 Seiten. Die Leserschaft ist fast zu 100 Prozent weiblich und zwischen sieben und elf Jahre alt.

Wahrscheinlich ließe sich die Liste noch endlos weiterführen. Aber die aufgezählten Magazine sind die erfolgreichsten unter ihnen. Doch egal, wie schön es ist, dass die Mädchen in den Pferdegeschichten schwelgen, es ersetzt nicht den Kontakt zum echten Pferd. Und dieser sollte jedem Mädchen mindestens einmal im Leben vergönnt sein.

Pferdezeitschriften für Kinder

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