Internationale Satiremagazine: Übertrieben gut!

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Ob literarisch oder journalistisch, im Fernsehen oder Hörfunk, in Textform oder als Zeichnung – die satirische Darstellungsweise kann verschiedene Gesichter haben, doch ihr Tonfall vereint sie. Mit Spott, Ironie und Sarkasmus reagieren Satiriker auf aktuelle Themen aus der Politik, aber auch nicht selten aus der Religion. In Deutschland taucht Satire zuhauf im Fernsehen auf, seltener in geschriebener Form, aber auch internationale Satiremagazine finden Anklang bei deutschen Lesern.

Ist das Satire oder kann das weg?

Die Satire selbst soll laut Duden als eine Kunstgattung verstanden werden, die eben „durch Spott, Ironie und Überteibung bestimmte Personen, Ereignisse oder Zustände kritisieren oder verächtlich machen will“. Und wie es bei Kunst immer der Fall ist, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Man kann es gut finden oder verachten.

Erstmalig tauchte die Satire in der Antike in Vers- und Prosadichtung auf. Also feierte sie ihren Ursprung wohl in geschriebener Form. Das funktioniert bis heute, denn eines der ältesten internationalen Satiremagazinen ist The Harvard Lampoon. 1876 in den USA gegründet und wird bis heute von der angesehenen Universität Harvard in Cambridge herausgegeben. Ursprünglich von Studenten für Studenten geschrieben, erreicht das Blatt mittlerweile ein landesweites Publikum. Mitte des 20. Jahrhunderts orientierten sich die Redakteure am damals aufstrebenden MAD-Magazin, das heute nicht nur in den USA gelesen wird, sondern auch in diversen anderen Ländern.

Internationale Satiremagazine mit Kultstatus

Bissig, frech und kultig – dafür steht das 1952 in den USA gegründete MAD-Magazin. Berühmt ist es unter anderem für die Geschichte ihrer Comicfigur Alfred E. Neumann, die seit 1954 frech von jedem Cover lächelt. Eine Straßenfigur mit rotem Haar, Segelohren, Sommersprossen und einem frechen Grinsen, das seine fingergroße Zahnlücke entblößt. Die Comicfigur gab es schon, bevor das internationale Satiremagazin auf die Idee kam, es zu verwenden. Unter anderem tauchte es im 19. Jahrhundert in einer Werbung für Zahnbehandlungsmittel auf und wurde für politische Propaganda benutzt. Zweimal wurde MAD für die Verwendung der Figur verklagt, zweimal erfolglos.

Das Blatt hat sich über die Jahre in der amerikanischen Kultur etabliert und ist nicht zuletzt deshalb so berühmt, weil der Cartoonist Mort Druckers Parodien auf Kinofilme und Fernsehserien veröffentlichte. Mittlerweile erscheint MAD nicht mehr monatlich, sondern nur noch jeden zweiten Monat. In Deutschland hatte man sich 1967 an einer deutschsprachigen Version versucht, die zeitweise sogar mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren glänzte. 1995 brach der Markt ein, 1998 versuchte es der Stuttgarter Dino-Verlag dann nochmal mit einer deutschen MAD Version. Diese hält sich bis heute und richtet sich dabei in der Kernzielgruppe an 13- bis 18-jährige Jungen. Also nicht zu vergleichen mit der originalen Version des Magazins, das über Presseplus bezogen werden kann.

Französischer Humor, der Nerven trifft

Ein Beispiel par excellence dafür, wie Satire richtig geht und welche Auswirkungen sie haben kann, ist das französische Nachbarland. Dort wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Satire als Kultur gelebt. Angefangen mit der Wochenzeitung Le Canard enchaîné , die für seriösen und investigativen Journalismus steht, bis hin zu Charlie Hebdo, das zunächst linksorientiert begann, sich aber im Laufe der Zeit immer weiter Richtung politische Mitte bewegte.

Das internationale Satiremagazin Le Canard enchaîné bedeutet im Deutschen so viel wie die angekettete Ente. Ente meint im französischen umgangssprachlich Zeitung und angekettet wurde in Anlehnung an die Zeitung l’homme enchaîné (der angekettete Mensch) gewählt. Der Canard ist vor allem deshalb so populär bei seinen Lesern, weil die Infos quasi aus erster Hand kommen. Anonyme Informanten aus Politik, Ministerien, Wirtschaft und Militär liefern den Stoff, den die 60 Redakteure publizieren.
Acht Seiten gedruckt auf Zeitungspapier in den Farben rot und schwarz hat es noch einen wahren Zeitungscharakter und ähnlich sind auch die Methoden, wie in der Redaktion gearbeitet wird. Denn nur wenige Redakteure greifen auf die moderne Technik des Computers zurück, überwiegend wird auf der IP-Adressen-freien Schreibmaschine getippt. Kaum zu glauben, dass die Zeitung bis heute ohne Werbung auskommt und in Zeiten der steigenden Kosten immer noch für 1,70 Euro in Frankreich und 3,40 Euro in Deutschland verkauft wird. Seit jeher ist das Motto der Redaktion: „Die Pressefreiheit verschleißt nur, wenn man sie nicht nutzt.“ Sie decken politische, juristische und Wirtschafts-Skandale rücksichtslos auf und verfügen über ein weltweit vernetztes Netz von Informanten, das ihresgleichen sucht.

Angeschlagen, aber nicht zerschlagen – Charlie Hebdo

Ebenfalls wöchentlich und auch mittwochs erscheint das internationale Satiremagazin Charlie Hebdo. Namensgeber ist hier die Comicfigur Charlie Brown, die zumindest ihren Vornamen dafür hergeben musste. Hebdo bedeutet hebdomadaire und ist zu deutsch nichts anderes als Wochenblatt.

Charlie Hebdo Abo

Cover von Charlie Hebdo

Die Anfänge fand das Blatt im Wochenmagazin L’hebdo Hara-Kiri, das aus dem Anarchomagazin Hara-Kiri hervorging. Letztlich scheiterte das Blatt nach 21 Jahren an mangelhafter Finanzierung. Elf Jahre später schlossen sich ehemalige Mitarbeiter zusammen und füllten das Blatt unter dem Namen Charlie Hebdo mit neuem Leben. Auch wenn es mit 60.000 gedruckten Exemplaren lange nicht die Reichweite wie der Canard hat, ist es spätestens seit 2015 weltweit ein Begriff. Der Reihe nach:

Mut zur Karikatur

Das erste Mal von sich reden machte Charlie Hebdo, als sie 2006 als eine der wenigen Zeitschriften die Mohammed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten abdruckte. Sie gingen sogar noch einen Schritt weiter und druckten eigene Karikaturen über Muslime. Eine Klage des französischen Dachverbandes der Muslime blieb erfolglos. Dennoch wurde das Redaktionsbüro überwacht, denn ernstzunehmende Drohungen häuften sich.

Auch die katholische Kirche klagte 14 mal gegen das Satiremagazin. Allesamt erfolglos. Für öffentliche Aufruhr sorgte die Ausgabe, die 2008 erschien als der damalige Papst zu Besuch in Frankreich war und sie titelten „Lasset die Kinder zu mir kommen“ – Anlehnung waren die pädophilen Vorwürfe, die zu der Zeit brandaktuell waren. 2011 gab es den ersten Brandanschlag auf das Redaktionsbüro, bei dem aber niemand zu Schaden kam. Anders 2015: Am 7. Januar des Jahres wurde ein Terroranschlag auf die Redaktion verübt. Dabei kamen zwölf Menschen ums Leben. Unter anderem der Herausgeber. Doch die überlebenden Redakteure ließen sich nicht unterkriegen und schon eine Woche später erschien das Blatt mit einer Auflage von sieben Millionen Exemplaren. Gedruckt in 16 Sprachen und in 25 Länder verkauft.

Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und sich ihrer zu bedienen ist von nicht messbarer Wichtigkeit. Gerade in Zeiten von Trump, Kim Jong-un und Erdogan scheint das Zitat des 1998 verstorbenen Satirikers Gabriel Laub bedeutender denn je zu sein: „Der Satire steht das Recht auf Übertreibung zu. Aber sie hat es schon seit langem nicht mehr nötig, von diesem Recht Gebrauch zu machen.“

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